NORDDEICH RADIO FUNKT NICHT MEHR...

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frische Luft
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NORDDEICH RADIO FUNKT NICHT MEHR...

Beitrag von frische Luft »

Ende 1998 geht eine Seefunk-Ära zu Ende:
Norddeich Radio funkt nicht mehr – aber „Bremen Rescue“ hört!

"Quelle: Die Seenotretter – DGzRS“

Der Link zum gesamten Inhalt:
https://www.seenotretter.de/magazin/vor ... scue-hoert

Ende 1998 geht eine Seefunk-Ära zu Ende: Die letzte deutsche Küstenfunkstelle Norddeich Radio stellt ihren Betrieb ein. Zunehmende Satellitenkommunikation und nachlassender Vermittlungsbedarf sind die Gründe. Um die Hörwache auf dem internationalen UKW-Sprechfunk-Not- und Anrufkanal 16 sicherzustellen, richtet die DGzRS die Seenotküstenfunkstelle Bremen Rescue Radio (BRR) ein – sie ist integraler Bestandteil des Maritime Rescue Co-ordination Centres (MRCC) Bremen, der deutschen Rettungsleitstelle See. Die Funker Wilhelm Elies (68) und Onno Heyen (67) haben sowohl bei Norddeich Radio als auch Bremen Rescue Radio gearbeitet.
Wilhelm Elies und Onno Heyen wachsen beide im Schatten der Funkantennen von Norddeich Radio auf. „Ich habe als Junge oft die Morsezeichen der Küstenfunkstelle als Störer in unserem Radio gehört, das hat mich geprägt. Es war immer mein Traum, dort einmal zu arbeiten“, erzählt Wilhelm Elies. Bevor dieser große Wunsch jedoch wahr wird, arbeitet er nach Schule und Lehre zunächst als Elektriker an Land. Dann wird die See für mehr als zehn Jahre zu seiner zweiten Heimat: Als ausgebildeter Funkoffizier fährt er mit Fischtrawlern rund um Grönland auf Fangreise und hält von der „Funkbude“ an Bord aus Kontakt zum Festland. Doch irgendwann passt die Seefahrt nicht mehr zu seinem Leben. Der heute 68-Jährige bewirbt sich bei der Küstenfunkstelle in Norddeich, wenig später sagt er zum ersten Mal: „This is Norddeich Radio, Norddeich Radio, Norddeich Radio“.

Ähnlich verläuft auch Onno Heyens Weg hin zu den Sprechtasten der Küstenfunkstelle:
Als der gebürtige Ostfriese seine Lehre zum Radio- und Fernsehtechniker in Norden beginnt, sieht er regelmäßig deren Antennenmasten:
„Ich wusste anfangs aber nicht so recht, was da los ist“, erinnert er sich. Das wird sich im Laufe der nächsten Jahre grundlegend ändern. Mit dem Gesellenbrief in der Tasche lässt er sich von einem Mitschüler für den Job des Funkers auf See begeistern. Er besucht die Seefahrtschule in Leer und arbeitet weltweit als Funkoffizier für verschiedene Reedereien. Nach einigen Jahren auf See möchte er wieder festen Boden unter den Füßen haben und fängt 1982 fast zeitgleich mit Wilhelm Elies bei Norddeich Radio an.
Es ist die Blütezeit der Küstenfunkstelle mit der größten Zahl an Seefunkgesprächen, -telegrammen und -fernschreiben pro Tag. Norddeich Radio ist für Seeleute, Reedereien und Familien monatelang der einzige Weg für traurige und freudige, geschäftliche und private Nachrichten. Vergleichbares wird heute ausnahmslos per Smartphone oder über Satelliten um die Welt geschickt. Doch zu Beginn der 1980er Jahre ist das mobile Telefon noch Zukunftsmusik, die Satellitenkommunikation steckt noch in ihren Kinderschuhen. Aus diesen wächst sie zugegebenermaßen schnell heraus, es folgt das langsame Sterben der amtlichen Küstenfunkstellen in Deutschland mit ihrer erdgebundenen, irgendwann veralteten Technik.

Sehnsucht nach der Heimat

1982 ist Norddeich Radio jedoch noch unentbehrlich für die Verbindung der Schiffsbesatzungen auf See mit den Menschen an Land. Wilhelm Elies und Onno Heyen sind wie alle anderen Funker mit ihren Ohren ganz nah dran an den mal lustigen, mal erschütternden, mal wehmütigen und mal alltäglichen Geschichten von Bord. Da sind beispielsweise die philippinischen Seeleute, deren Gespräche in die entlegenen Dörfer des Inselstaates in Südostasien nicht immer zustande kommen, weil die Verbindung zum einzigen Telefon im Ort einfach abbricht. Manchmal ist Norddeich Radio wegen seiner hervorragenden Funktechnik jedoch die letzte Hoffnung für ausländische Seeleute, wenn über die nationalen Küstenfunkstellen kein Anschluss hinzubekommen ist.
„Sie waren uns immer sehr dankbar“, sagt Onno Heyen. Er erinnert sich auch an die irakischen und iranischen Matrosen, die – trotz des Ersten Golfkrieges und des gegenseitigen Tötens an Land – auf See eines gemeinsam haben: die Sehnsucht nach ihren Familien, nach ihrer Heimat.
Diesem Wunsch nach Nähe trägt die traditionsreiche Hörfunksendung „Gruß an Bord“ des NDR ebenfalls Rechnung, die die Küstenfunkstelle von Ostfriesland in alle Welt ausstrahlt. Obwohl dieses Programm mit seinen Botschaften für Seeleute fern von zu Hause nur einen winzigen Teil der Arbeit ausmacht, ist es vor allem für die große Bekanntheit von Norddeich Radio verantwortlich.

„Gruß an Bord“ –
eine der ältesten Radiosendungen der Welt


An Heiligabend 2022 veröffentlichte „Der Spiegel” auf seinem Onlinekanal unter dem Titel „Gemeinsam einsam“ einen einfühlsamen Text über die NDR-Traditionssendung „Gruß an Bord“.
Autor Stefan Krücken beschreibt darin sehr bildhaft, wie sich – vor dem Zeitalter von Smartphone und Satellitenkommunikation – die Besatzungen deutscher Frachter, Marine- und Forschungsschiffe in aller Welt am 24. Dezember in der jeweiligen Bude des Funkers drängelten und gebannt den Botschaften aus der Heimat lauschten.
Auch heute sind die Seeleute monatelang auf den Weltmeeren unterwegs, aber der Kontakt zur Familie ist dank modernster Technik bedeutend einfacher geworden.
Dennoch gibt es die traditionsreiche Hörfunksendung selbst 70 Jahre nach der ersten Folge am 24. Dezember 1953 noch. Bis 1998 strahlte die Küstenfunkstelle Norddeich Radio die „Brücke zwischen Seeleuten und ihren Angehörigen“ aus. Damit alle selbst in den entlegensten Regionen der Welt die Sendung mit ihren sehnsuchtsvollen Weihnachtsgrüßen auch nach dem Ende von Norddeich Radio empfangen können, mietet der NDR heute eigens für Heiligabend zusätzliche Kurzwellenfrequenzen an.

NDR Gruss an Bord 2023 "Shortwave":
https://www.youtube.com/watch?v=C64VDvRG1M0&t=45s

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HISTORIE
Geschichte der Küstenfunkstelle Norddeich Radio
1907
Die Küstenfunkstelle Norddeich Radio nimmt ihren Betrieb auf.

1914

Mit Beginn des Erstes Weltkriegs übernimmt die Marine den Betrieb.

1919

Nach Kriegsende wird der öffentliche Funkverkehr wieder aufgenommen.

1924
Die Empfangsfunkstelle Westgate am Stadtrand von Norden nimmt ihren Betrieb auf. Dies ist notwendig geworden, weil am alten Standort die ausgesendeten Signale den Empfang stören.

1925

Der Dienst „Seefunkgespräche“ wird eingeführt. Die Empfangsfunkstelle Westgaste kann solche Gespräche bei Bedarf auch in das öffentliche Fernsprechnetz vermitteln.

1926

Die Küstenfunkstelle erhält die ersten Kurzwellensender und -empfänger.

1928

Die Reichspost verfügt, dass bei Funktelegrammen nach See in der Anschrift „Norddeich Radio“ stehen muss.

1930
Die Empfangsfunkstelle Westgate wird aufgrund der zunehmenden Industrialisierung und der damit verbundenen „Störnebel“ ins abgelegenere Utlandshörn verlegt.

1932
Die Funktelephonie wird eingeführt.

1936
Die Seenotfrequenz 500khz wird ständig abgehört.

1939
Auch nach Beginn des Zweiten Weltkriegs führt Norddeich Radio die für die Sicherheit der Schifffahrt wichtigen Seefunkdienste weiter.

1948
Norddeich Radio nimmt drei Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs seine Tätigkeit als Küstenfunkstelle wieder auf.

1949
Norddeich Radio verbreitet wieder nautische Warnnachrichten auf Mittel- sowie Grenzwelle und nimmt den einseitigen Telegrafiefunk wieder auf. Funkärztliche (Medico-) Gespräche werden eingeführt.

1950
Seefunkgespräche über Norddeich Radio werden zum ersten Mal in ein Hafenkonzert des NWDR Hamburg (später: NDR) eingebunden.

1952

Norddeich Radio übergibt die letzten Überseefunkdienste an Lüchow und wird wieder reine Küstenfunkstelle.

1953
Die NDR-Sendung „Gruß an Bord“ wird erstmals am 24. Dezember über Norddeich Radio ausgestrahlt. Es gibt sie bis heute.

1958
Aufnahme des Sprechseefunkdienstes auf Ultrakurzwelle (UKW)-Kanal 16 (Anruf und Sicherheit) und -Kanal 26 (Arbeitssprechweg).

1964 bis 1970
Die Sendefunkstelle Norddeich wird nach und nach zur Sendefunkstelle Osterloog verlagert. Damit einher gehen grundlegende Modernisierungen und der Bau zusätzlicher Sendeanlagen. Im November 1970 wird der letzte Sendemast in der Sendefunkstelle Norddeich abgeschaltet.

1976

Erste Funkverbindung von einem Schiff zu einem Ort an Land über geostationäre Satelliten.

1996
Die Küstenfunkstelle hat mit Ausnahme von UKW alle anderen Dienste für den Seefunk aufgegeben.

1998

MRCC Bremen der DGzRS übernimmt zum Jahreswechsel die UKW-Anrufkanäle 16 (analog) und 70 (digital). Norddeich Radio stellt den UKW-Seefunkdienst ein. Das Rufzeichen DAN gibt es nicht mehr.

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