Medikamente erhöhen das Gesundheitsrisiko bei Hitze
Ein NDR-Ratgeber-Gesundheits-Beitrag, Stand: 29.07.2026 06:26 Uhr | vom
Quelle: https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/ ... e-690.html
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Nicht alle Menschen kommen mit Hitze gleich gut zurecht.
Vorerkrankungen und Medikamente spielen eine wichtige Rolle - in jedem Alter.
Bei welchen Erkrankungen und Arzneimitteln das Risiko steigt.
von Anke Lauf
Anhaltende Hitze kann bei Menschen mit chronischen Erkrankungen zu erheblichen Gesundheitsbelastungen bis hin zu medizinischen Notfällen führen. Was weniger bekannt ist: Auch bestimmte Medikamente können den Hitzestress verstärken. Sie können den Flüssigkeitshaushalt stören, das Schwitzen und sogar die zentrale Temperaturregulation im Gehirn beeinträchtigen. Damit hebeln die Arzneimittel die körpereigenen Kühlsysteme aus. Mögliche Folgen sind Austrocknung, Hitzeerschöpfung bis hin zum Kreislaufkollaps. Aber auch die Psyche leidet: Menschen reagieren gereizt, die Unfallgefahr steigt. Einige Medikamente können bei Hitze außerdem schwächer oder stärker wirken. Dann drohen mehr Nebenwirkungen und sogar Überdosierung. Andere Wirkstoffe erhöhen das Risiko für Sonnenbrand und Hautschäden. Auch die richtige Lagerung von Medikamenten spielt bei Hitze eine wichtige Rolle.
Viele Medikamente hemmen die Schweißproduktion und erschweren die körpereigene Hitzeregulation.
Fachleute sprechen von anticholinergen Wirkungen und Nebenwirkungen.
Neben Psychopharmaka sind auch andere Medikamentengruppen betroffen:
Mittel gegen Bauchkrämpfe (Spasmolytika): Butylscopolaminiumbromid
Mittel gegen überaktive Harnblasen: Oxybutynin, Solifenacin
Mittel gegen Epilepsie (Antikonvulsiva) wie Carbamazepin, Topiramat, Zonisamid
starke Schmerzmittel: Opioide
Antihistaminika (H1-Antagonisten) wie Doxylamin oder Diphenhydramin, die als Schlafmittel genutzt werden
anticholinerge Antiparkinsonmittel: Trihexyphenidyl, Procyclidin
Medikamente gegen psychische Erkrankungen
Viele Parkinson-Medikamente und Psychopharmaka wie Antidepressiva, Mittel gegen ADHS und Antipsychotika (Neuroleptika) beeinträchtigen die Temperaturregulation im Gehirn. Damit wächst das Risiko für Überwärmung und Austrocknung. Oft unterdrücken sie zusätzlich das Schwitzen und können so zum Hitzestau führen. Aber auch verstärktes Schwitzen als häufige Nebenwirkung von Antidepressiva und Parkinsonmitteln kann problematisch sein, wenn dadurch zu viel Flüssigkeit und Mineralstoffe verloren gehen. Einige der Substanzen haben dämpfende Wirkung, verringern die Aufmerksamkeit und machen müde, was bei Hitze die Sturz- und Unfallgefahr erhöht.
Beispiele:
Mittel gegen ADHS: Methylphenidat, Lisdexamfetamin
Antidepressiva verschiedener Gruppen
Neuroleptika wie Quetiapin, Risperidon, Haloperidol, Pipamperon
Anti-Parkinson-Medikamente
Risiko Kreislaufversagen: Medikamente gegen Bluthochdruck und Herzschwäche
Wirkstoffe zur Blutdrucksenkung, die die Adern erweitern, wirken bei Hitze verstärkt, so dass es zu Schwindel und Ohnmacht kommen kann. Medikamente, die den Körper entwässern (Diuretika), können zur Dehydrierung (Austrocknung) beitragen. Insbesondere in Kombination steigt die Gefahr für eine Kreislaufschwäche. Viele der zusätzlichen Krankenhauseinweisungen während Hitzeperioden stehen im Zusammenhang mit der Einnahme dieser Medikamente.
Beispiele für Blutdrucksenker und Herzmedikamente:
Sartane (AT1-Rezeptor-Antagonist): Candesartan, Losartan
ACE-Hemmer: Enalapril, Ramipril
Calciumkanalblocker: Dihydropyridin, Amlodipin, Verapamil
Betablocker: Bisoprolol, Propranolol
Diuretika ("Wassertabletten"): Hydrochlorothiazid, Furosemid, Torasemid
Vorsicht bei Arzneimitteln für Diabetes und Schilddrüse
Menschen, die Diabetesmedikamente einnehmen müssen, haben bei Hitze ein höheres Risiko für Dehydratation (Austrocknung). Das gilt sowohl für den Wirkstoff Metformin als auch für SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin oder Empagliflozin. Bei Metformin kommt es insbesondere bei Beginn der Therapie häufig zu Erbrechen und Durchfall, was die Gefahr verstärkt.
Wird Diabetes mit Insulinspritzen behandelt, gilt bei Hitze besondere Vorsicht. Durch falsche Lagerung kann Insulin bei hohen Temperaturen seine Wirksamkeit verlieren, deshalb bei Wärme nicht länger im Auto liegen lassen. Der Vorrat gehört in den Kühlschrank, für den Urlaubstransport unterwegs sollte eine spezielle Kühltasche verwendet werden. Übliche Kühl-Akkus sind zu kalt, Insulin kann dann Kristalle bilden und seine Wirkung verlieren.
Bei kurz wirksamen Insulinen kann es aber auch zu einer gesteigerten Wirkung kommen. Durch die verstärkte Hautdurchblutung bei Hitze kann das gespritzte Insulin besonders schnell und gut vom Körper aufgenommen werden. Dann droht eine Unterzuckerung, insbesondere wenn wegen der Hitze weniger gegessen wird.
Das Schilddrüsen-Medikament L-Thyroxin (Levothyroxin) kann den Stoffwechsel beschleunigen und so die Wärmeproduktion des Körpers steigern, was speziell bei Menschen über 65 Jahre das Risiko für Hitzeerkrankungen erhöht. Warnzeichen für eine hohe/zu hohe Dosierung sind Gewichtsabnahme, schneller Herzschlag oder Herzstolpern.
Wirkstoffpflaster: Medikamente können stärker wirken
Bei Hitze wird die Haut stärker durchblutet: Wirkstoffe aus Salben oder Pflastern können schneller und besser aufgenommen werden, die Wirkung wird gesteigert. Bei Opioidpflastern beispielsweise kann sich die Wirkung verdoppeln. In der Folge verstärken sich nicht nur Nebenwirkungen wie Verstopfung. Es drohen Benommenheit, Stürze und sogar Lebensgefahr durch Atemstillstand.
Beispiele für Medikamentenpflaster (medizinisch TTS: transdermale therapeutische Systeme) sind:
starke Schmerzmittel/Opioide: Buprenorphin, Fentanyl
Mittel gegen Demenz: Rivastigmin
Mittel bei Parkinson und Restless Legs: Rotigotin
Verstärkte Nebenwirkungen und Überdosierung möglich
Leber und Niere sind bei Hitze weniger durchblutet. Das kann den Abbau und die Ausscheidung von Medikamenten erschweren. Wirkstoffe wirken dann stärker oder länger als vorgesehen. So steigt das Risiko für Überdosierung und Nebenwirkungen. Das Problem betrifft neben Psychopharmaka wie Lithium und trizyklische Antidepressiva besonders einige Herzmedikamente:
Betablocker: sie wirken bei Hitze stärker und können den Puls gefährlich verlangsamen.
Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen: Bei Antiarrhythmika wie Flecainid, Propafenon können verstärkt Nebenwirkungen auftreten - wie Kopfschmerzen, Schwindel, Blutdruckabfall, Müdigkeit und langsamer Herzschlag. Es drohen Bewusstlosigkeit und Krampfanfälle.
Durch Herzmedikamente mit dem Wirkstoff Digoxin kann es bei Hitze und Austrocknung zu Vergiftungserscheinungen kommen: die Folgen sind Übelkeit, Herzrhythmusstörungen, gestörtes Farbsehen oder Halluzinationen.
Nitrate (Medikamente gegen Herzenge, Angina pectoris) senken den Blutdruck und können bei Hitze zu relevanter Kreislaufschwäche führen.
Gefahr für die Nieren
Hitze und Flüssigkeitsmangel belastet die Nieren. Manche Mittel können die Nierenfunktion zusätzlich beeinträchtigen. Mögliche Folgen: Die Urinproduktion lässt nach, Ödeme können entstehen, was wiederum die Anpassung an warme Temperaturen erschwert. Zu diesen Medikamenten gehören:
Schmerzmittel wie Ibuprofen und andere NSAR
Immunsuppressiva wie Ciclosporin, Tacrolimus
Medikamente gegen Krebserkrankungen
Nebenwirkung Sonnenempfindlichkeit
Einige Arzneimittel machen die Haut empfindlicher für schädliche UV-Stahlen. Schnell entstehen Sonnenbrand und Hautreizungen, manchmal bilden sich schmerzhafte Blasen (phototoxische Reaktion). Betroffen sind verschiedene Medikamentengruppen, dazu gehören:
Antibiotika wie Tetracycline
Anti-Pilz-Mittel
Medikamente gegen Akne (Retinoide)
Diuretika
entzündungshemmende Wirkstoffe wie Ibuprofen oder Diclofenac
Tipps zur Vorbeugung: So lässt sich das Risiko von Medikamenten senken
Die genannten Medikamenten-Nebenwirkungen bei Hitze können, müssen aber nicht auftreten. Angst oder übertriebene Bedenken sind nicht hilfreich. Wichtig ist das Wissen um die möglichen Auswirkungen. In einer ärztlichen Beratung oder in der Apotheke sollte geklärt werden, wie hoch das individuelle Risiko ist, bestenfalls bereits vor einer Hitzewelle. Keinesfalls dürfen Medikamente ohne Rücksprache eigenmächtig abgesetzt oder reduziert werden. Je nach individueller Situation können mögliche Maßnahmen besprochen werden:
Hitze bestmöglich vermeiden und für Abkühlung sorgen
körperliche Belastungen bei Hitze vermeiden
ausreichend trinken, gegebenenfalls Trinkprotokoll führen, etwa zwei bis drei Liter über den Tag verteilt
bei Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankungen zur optimalen Trinkmenge unbedingt ärztliche Rücksprache halten
Gegebenenfalls Gewichtskontrolle: Beim täglichen Wiegen kann schnell erkannt werden, ob der Körper Wasser einlagert.
Gegebenenfalls Blutdruck-Selbstmessung: Um einen hitzebedingten Blutdruckabfall zu erkennen, kann es sinnvoll sein, in Hitzephasen öfter zu messen.
auf Überhitzungs-Warnzeichen achten: Kopfschmerz, Schwindel, Verwirrtheit, heiße Haut
bei Symptomen ärztliche Rücksprache, keine eigenständige Dosisanpassung
für Hitzeperioden rechtzeitig Unterstützung suchen
Ältere und pflegebedürftige Menschen brauchen bei hohen Temperaturen vermehrt Aufmerksamkeit und Hilfe, insbesondere wenn sie allein wohnen. Es fällt ihnen oft schwer, Warnzeichen zu erkennen und entsprechend zu handeln. Menschen, die außerdem Schlaf- und Beruhigungsmittel oder andere dämpfende Medikamente einnehmen müssen, sind bei Hitze weniger aufmerksam, können zunehmend schläfrig werden und gefährlich eintrüben.
Vorerkrankungen erhöhen das Gesundheitsrisiko bei Hitze
Vorerkrankungen betreffen nicht nur ältere Menschen. Nach Daten des Robert Koch-Instituts aus dem Jahr 2024 berichteten knapp 54 Prozent der Erwachsenen in Deutschland über eine chronische Erkrankung oder ein lang andauerndes Gesundheitsproblem. Die größte Krankheitslast haben Menschen über 80 Jahre: Über 73 Prozent gaben chronische Leiden an. Aber auch Jüngere sind betroffen: Bei Menschen zwischen 18 und 29 Jahren waren es knapp 40 Prozent.
Welche Erkrankungen bei Hitze gefährlich werden können
Nicht alle, aber zahlreiche Vorerkrankungen erhöhen die Gefahr eines Hitzestaus im Körper. Zudem können sich bestimmte Erkrankungen bei Hitze verschlechtern, was bis zur Lebensgefahr führen kann:
Herzschwäche: Bei Hitze kann die Kreislaufbelastung so groß werden, dass das Herz versagt.
Nierenschwäche: Störungen im Flüssigkeitshaushalt können nicht ausgeglichen werden, es kann sich Wasser im Gewebe einlagern, was zu einer Kreislaufbelastung und zu Elektrolytentgleisungen führen kann
Venenleiden: Der Abtransport von Gewebeflüssigkeit (Ödeme) ist erschwert, was zu einer Kreislaufbelastung führt.
Lungenerkrankungen wie Asthma, COPD: Hitze verschlechtert die Lungenfunktion, die Atemarbeit wird anstrengender und es kommt zu einem Flüssigkeitsmangel. Zusätzlich kann bodennahes Ozon und vermehrter Feinstaub die Atmung bei Hitze belasten.
Adipositas: Die Wärmeabgabe ist durch die Isolationsschicht und schlechte Hautdurchblutung erschwert, es besteht die Gefahr eines Hitzestaus.
Diabetes: Menschen mit Diabetes neigen bei Hitze zur Austrocknung, da die Wärmeregulation gestört ist. Oft gehen Flüssigkeit und Elektrolyte über die Nieren verloren. Diabetes-Medikamente können dies noch verschlimmern. Bei diabetischen Nervenschäden (Polyneuropathie) können Betroffene weniger schwitzen, was zur Überhitzung führt.
Hauterkrankungen können das Schwitzen beeinträchtigen und bei gestörter Hautbarriere geht vermehrt Flüssigkeit verloren.
Psychische Erkrankungen: Bei Hitze müssen mehr Menschen mit Psychosen, Schizophrenie, Depressionen und Angststörungen in die Klinik. Ursache sind Hitzestress, Schlafmangel und die Verschlechterung bestehender psychischer Erkrankungen. Studien deuten zudem darauf hin, dass mit steigenden Temperaturen auch das Suizidrisiko zunimmt.
Demenzerkrankungen: Flüssigkeitsmangel kann zu wachsender Desorientierung und erhöhtem Sterberisiko führen.
Suchterkrankungen (Alkoholsucht): Es besteht ein erhöhtes Risiko für Hitzeschäden im Rauschzustand, aber auch für Entzugssymptome und Delir.
Bluthochdruck: Blutdrucktabletten können bei Hitze verstärkt wirken.
Offene Beine und chronische Wunden: Anhaltende Wärme erhöht das Risiko für Infektionen.
Krebserkrankungen: Je nach Vorbelastung kann der Körper weniger gut auf hohe Temperaturen reagieren.
Medikamente erhöhen das Gesundheitsrisiko bei Hitze
- frische Luft
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- Registriert: Di 3. Okt 2023, 09:07
Medikamente erhöhen das Gesundheitsrisiko bei Hitze
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
... AN DIE KÜSTE
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.

