Unerwäis: "Unterwegs mit Uwe Lorenzen"

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frische Luft
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Unerwäis: "Unterwegs mit Uwe Lorenzen"

Beitrag von frische Luft »

Unerwäis: "Unterwegs mit Uwe Lorenzen"
Ein NDR-Nachrichten-Beitrag, Stand: 20.03.2026 19:38 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswi ... s-106.html

Bild und Text-Kopie !
IM o.g. Link kann man sich ein VIDEO von 16. Min. ansehen !
Screenshot aus o.g. Link.jpg
Screenshot aus o.g. Link.jpg (135.62 KiB) 1669 mal betrachtet
Was ist auf der "Mary Celeste" geschehen - dem vielleicht berühmtesten Geisterschiff der Welt?
Uwe Lorenzen hat sich auf Spurensuche begeben.


von Elin Hinrichsen

Erstmal das Schiffsmodell beiseite stellen. Die detailgetreu nachgebaute "Mary Celeste" aus Sperrholz hat einen Stammplatz in Uwe Lorenzens Wohnzimmer. Sie steht mittig auf der Seemannskiste. Aber jetzt trägt der Föhrer sie auf Händen vorsichtig die paar Schritte zum Couchtisch hinüber und stellt sie dort ab. Dann geht er vor der Seemannskiste auf die Knie und klappt den Deckel hoch. Diese Kiste hat er auf dem Heuboden in seinem Elternhaus gefunden, in Utersum auf Föhr (Kreis Nordfriesland). Etwa 100 Jahre lang hatte sie dort in einer Ecke gestanden, verstaubt und vergessen.

Eine typische Seemannskiste: Aus Holz gefertigt, mit einem Schloss versehen. Einen Meter lang, knapp halb so hoch und halb so breit. Diese Kiste hat seine Vorfahren auf See begleitet. Sie war Sitzplatz und Aufstiegshilfe in die Koje. Sie hat Pullover und Hosen, Liebesbriefe und Heuerlöhne vor Seewasser und dreisten Dieben geschützt. Jetzt ist sie Uwes Schatzkiste. Gleich obenauf liegt ein Buch. Blauer Einband, vergilbte Seiten, der Titel in goldenen Lettern. "Mary Celeste" - The Odyssee of an abandoned Ship - (die Odyssee eines verlassenen Schiffes) ist eine Abhandlung aus dem Jahr 1942.
Der Autor, Charles Edey Fay, hat dieses Exemplar handsigniert.
"Det as det jüürst buk, wat wi haa." (Das ist das teuerste Buch, das wir haben).

Eine Sammlung in der Seemannskiste
Briefmarken mit dem Bild der "Mary Celeste"
Die "Mary Celeste" ist eine Berühmtheit - ihr Abbild ziert sogar Briefmarken.
Bild ist im o.g. Link zu sehen !


Uwe Lorenzen, 85, hat das Buch im Internet entdeckt. Und nicht nur dieses. Nächtelang hat er recherchiert, gefunden, geboten und gekauft. Romane, Groschenhefte, Geistergeschichten holt Uwe Lorenzen eine nach der anderen aus der Kiste heraus. Dazu historische Fotos, eine Briefmarkensammlung mit Schiffsbildern und die Ausdrucke zahlreicher Mikrofilme. Alles Artefakte und Unterlagen, die sich um das so genannte "Geisterschiff" drehen. Die Brigantine "Mary Celeste" ist seit dem Jahr 1872 eine Berühmtheit. Uwe Lorenzen kann die Begebenheiten - wenn nötig - bis ins kleinste Detail sogar noch nachts um halb drei herunterbeten. Das liegt daran, dass Uwe mit den Geschichten rund um das Schiff aufgewachsen ist. Zwei der Besatzungmitglieder stammen aus seiner Familie. Volkert und Boy Lorenzen sind Uwes Urgroßonkel. Sie sind seit Ende November 1872 verschollen - aus bislang ungeklärter Ursache. Uwe will Licht ins Dunkel bringen.

Was ist passiert an Bord?
Fest steht, dass die "Mary Celeste" im 5. November 1872 den Hafen von New York verlässt. Ihr Ziel: Genua. Ihre Ladung: etwa 1.700 Fässer mit Alkohol. Mit an Bord sind Volkert und Boy, 29 und 23 Jahre alt, Matrosen und Teil der Mannschaft. Einen Monat später irrt die "Mary Celeste" dann plötzlich auf dem Atlantik umher, mit gesetzten Segeln, aber ohne die Mannschaft und ohne den Kapitän. Der Ausguck der Dei Gratia, ebenfalls ein Frachtensegler, entdeckt die "Mary Celeste" am Horizont.

Der erste Offizier lässt den Kurs wechseln und segelt näher heran. Einige der Männer gehen schließlich an Bord, schauen sich um und segeln die führerlose Brigantine bis nach Gibraltar. Wilde Spekulationen entstehen schon damals und verbreiten sich wie Lauffeuer. War es ein Piratenüberfall? Ist die Mannschaft bei Sturm über Bord gegangen? Oder gab es gar eine Meuterei an Bord? "Diar lep jä gerüchte nöögen ambi. Det as alles dom tjüch, wat diar fertääld wurt" (Da waren genügend Gerüchte im Umlauf. Das ist alles dummes Zeug, was da erzählt wird). Eine Gerichtsverhandlung bringt nicht etwa die Wahrheit zutage, sondern gießt weiteres Öl ins Feuer der wilden Spekulationen.

Nahporträt eines Mannes, rechts ein Segelschiff im Nebel über dunklem Meer.
Mary Celeste - Das Geheimnis des Geisterschiffs
Der Podcast trennt Fakten von Mythen und zeigt, wie aus einem Rätsel eine weltbekannte Geschichte wurde.
AB 26.03.2026 die 1. Folge , siehe o.g. Link !


Gerüchte und Familienehre
Seine Vorfahren aber seien weder Mörder noch Meuterer gewesen. Davon ist Uwe Lorenzen fest überzeugt und das will er beweisen. Erst hat er auf Föhr und Hamburg nach Zeitungsartikeln, Bildern und Unterlagen gesucht, dann hat er Helfer ausgesandt. Sogar im Nationalarchiv der Vereinigen Staaten von Amerika lässt Uwe sie nach Dokumenten fahnden. Die "Mary Celeste" und die Suche nach der Wahrheit bestimmen zunehmend sein Leben.

Nachfahre und Experte für das Geisterschiff
Uwe gilt längst als Experte. Er war schon im Fernsehen, im Radio und jetzt auch im NDR Podcast ""Mary Celeste" - Das Geheimnis des Geisterschiffs". Zur See gefahren ist er selbst nie. Uwe Lorenzen ist Zimmermann. Schon als kleiner Junge hat er in der Werkstatt seines Onkels mitgeholfen und dort zum Beispiel Nistkästen für Vögel gebaut. Er ist es von klein auf gewöhnt, geduldig und präzise zu arbeiten, bis alle Teile zusammenpassen. Uwe Lorenzen legt das Buch mit dem blauen Einband wieder zurück in die Seekiste, ganz oben auf seine Quellen-, Bilder- und Dokumentensammlung. Das Rätsel um die "Mary Celeste" hat er bislang nicht vollständig lösen können. Notfalls müssen andere übernehmen, sagt er. Ein guter Ort wird sich schon finden. Uwe Lorenzen schließt den Deckel der Seekiste, steht auf und streckt sich.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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