Gerichtsbeschluss: Ölförderung auf Bohrinsel Mittelplate gestoppt
Ein NDR-Nachrichten-Beitrag, Stand: 27.02.2026 14:44 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswi ... e-100.html
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Das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht ordnet den sofortigen Stopp der Ölförderung im Wattenmeer an: Wegen einer fehlenden FFH-Verträglichkeitsprüfung ist der Betrieb demnach rechtswidrig.
Die Bohrinsel vor der Dithmarscher Küste habe derzeit keine vollziehbare Fördererlaubnis, sagte eine Sprecherin des Gerichts. In einem Eilverfahren hatte zuvor die Deutsche Umwelthilfe (DUH) geklagt. Eine Gerichtssprecherin sagte der Deutschen Presse-Agentur, es müsse alle zwei Jahre eine Bestandsprüfung vollzogen werden. Die Verträglichkeitsprüfung im Rahmen der Flora-Fauna-Habitatrichtlinie (FFH) sei dabei ausgeblieben. Der Beschluss gilt nach Angaben des Gerichts jedoch nur für den aktuellen Betriebsplan bis Ende Mai. Anschließend wird ein neuer Plan erstellt, der dann erneut genehmigt werden muss.
Nach Angaben des Landesamtes für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) wurde der neue Betriebsplan vom Betreiber bereits vergangenen November eingereicht und wird derzeit detailliert geprüft. Inwieweit die Entscheidung des Verwaltungsgerichts zu berücksichtigen ist, prüfe das LBEG gerade noch.
Video: Ölförderung auf Bohrinsel Mittelplate gestoppt (2 Min)
Gerichtsbeschluss gilt ab sofort - Bohrinsel läuft noch weiter
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Die Verträglichkeitsprüfung nach der Flora-Fauna-Habitatsrichtlinie ist im deutschen und europäischen Naturschutzrecht zwingend vorgeschrieben. Durch die soll gewährleistet werden, dass Eingriffe keine erheblichen Beeinträchtigungen für Pflanzen, Tiere und Ökosysteme nach sich ziehen. Eine Wiederaufnahme der Ölförderung im UNESCO-Weltnaturerbe Wattenmeer kann demnach erst wiederaufgenommen werden, wenn der Nachweis erfolgt. Der Gerichtsbeschluss gilt sofort, es kann durch eine Beschwerde kein Aufschub erwirkt werden, heißt es vom Gericht.
Laut LBEG läuft die Bohrinsel aktuell noch weiter. "Die Einstellung der Förderung bedingt eine Reihe von Prozessschritten, um die unter- und übertägigen Anlagen in einen sicheren Ruhezustand zu fahren", erklärt Sprecher Eike Bruns.
Ein plötzlicher Betriebsstopp ist laut Bruns daher technisch nicht möglich.
Ob und wann die man Bohrinsel herunterfahre, müsse noch geprüft werden.
Betreiber und Umweltministerium wollen Entscheidung prüfen
Der Betreiber der Ölplattform Mittelplate, Harbour Energy Germany GmbH, will die Entscheidung prüfen, so ein Sprecher des Unternehmens. "Nach unserer Überzeugung und der der staatlichen Aufsichts- und Genehmigungsbehörden erfolgte die Zulassung des derzeitigen Hauptbetriebsplans für die Bohr- und Förderinsel Mittelplate unter Einhaltung aller geltenden rechtlichen Vorgaben", heißt es auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein. Laut Unternehmen ist der Beschluss noch anfechtbar. "Wir werden dagegen Beschwerde beim Schleswig-Holsteinischen Oberverwaltungsgericht einlegen", heißt es von Harbour Energy weiter.
Das schleswig-holsteinische Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur reagierte zurückhaltend. Eine Sprecherin sagte auf Anfrage von NDR Schleswig-Holstein am Donnerstagabend: "Das Umweltministerium Schleswig-Holstein und zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie sind in dieser Angelegenheit in engem Austausch. Wir werden den Beschluss und die nächsten rechtlichen Schritte prüfen."
Die Bohr- und Förderinsel «Mittelplate» in der Nordsee vor der Küste bei Büsum.
Ölförderung im Wattenmeer soll 2041 enden
Darauf haben sich das schleswig-holsteinische Umweltministerium und der Betreiber der Bohrinsel Mittelplate geeinigt.
Deutsche Umwelthilfe: "Historischer Erfolg"
Die Deutsche Umwelthilfe wertet das Urteil als Erfolg für den Naturschutz. "Die Ölförderung durch die veraltete Plattform Mittelplate bedeutet ein enormes Risiko für alles Leben im Wattenmeer", sagt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH. Laut der Organisation wurde für die Ölplattform Mittelplate, die seit 1987 Öl in der Nordsee fördert, nie eine FFH-Verträglichkeitsprüfung durchgeführt. Die Organisation kündigte bereits an, sich langfristig gegen den Betrieb der Mittelplate einzusetzen. Das Wattenmeer ist seit 1998 FFH-Gebiet und seit 2001 Europäisches Vogelschutzgebiet.
Ölförderung in der Nordsee soll 2041 enden
Bislang wurden nach Angaben von Harbour Energy Germany GmbH aus dem Feld im Wattenmeer mehr als 40 Millionen Tonnen Öl gefördert. Weitere zehn bis 15 Millionen Tonnen Öl können demnach noch gewonnen werden. Nach Angaben des Unternehmens hängen rund zweitausend Arbeitsplätze von der Bohrinsel ab. Im Mai 2024 erklärte das zuständige Energieministerium Schleswig-Holsteins, es werde keine Genehmigungen mehr für die Erschließung neuer Ölfelder erteilen. Die Ölförderung im schleswig-holsteinischen Wattenmeer wird demnach nicht über das Jahr 2041 hinausgehen.
Gerichtsbeschluss: Ölförderung auf Bohrinsel Mittelplate gestoppt
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Gerichtsbeschluss: Ölförderung auf Bohrinsel Mittelplate gestoppt
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
... AN DIE KÜSTE
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
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Reise, reise
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.

