"Löwenzahn"-Onkel mit Witz: Vor zehn Jahren starb Peter Lustig
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 23.02.2026 05:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/lo ... g-100.html
Bild und Text-Kopie.
Er war das Gesicht der ZDF-Sendung "Löwenzahn":
Peter Lustig erklärte Kindern und Erwachsenen von 1981 bis 2005 die Welt - auf seine ganz eigene Weise.
Er starb am 23. Februar 2016 bei Husum.
von Jochen Lambernd
Wie kommen die Löcher in den Käse? Wo bekommen Schnecken ihre Häuser her? Wie kann ich Energie sparen? Kaum jemand konnte komplizierte Zusammenhänge so verständlich erklären wie Peter Lustig. Fast ein Vierteljahrhundert moderierte er die ZDF-Sendung "Löwenzahn", das Wissensmagazin für Kinder und Erwachsene. Es ging dabei um "Geschichten aus Natur, Umwelt und Technik". Seine Latzhose, die er auch privat gern trug, eine Nickelbrille und ein umgebauter blauer Bauwagen waren Lustigs Markenzeichen.
Ich habe ja immer versucht, möglichst wenig Unterschiede zu machen zwischen dem Typen, den man da sieht, und mir selber.
Peter Lustig über sich und seine Rolle
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Lehre als Rundfunkmechaniker, Elektrotechnik-Studium
Geboren wurde Peter Fritz Willi Lustig am 27. Oktober 1937 in Breslau in Niederschlesien. Sein Vater starb, als er ein Jahr alt war. Mit seiner Mutter musste er 1945 fliehen. Zu Fuß liefen sie bis nach Hamburg.
Gelernt hat Peter Lustig Rundfunkmechaniker. Er studierte anschließend Elektrotechnik und wurde Toningenieur. Er war übrigens der Tonmann der legendären Rede des US-Präsidenten John F. Kennedy ("Ich bin ein Berliner!") von 1963. Nach Stationen als freier Filmtonmeister und als Hörspielautor für den Sender Freies Berlin (SFB) kam Lustig als Tonmeister zum ZDF.
Von "Pusteblume" zu "Löwenzahn"
Peter Lustig, Moderator der Sendung "Löwenzahn"
Ganz am Anfang von "Löwenzahn" zog Peter Lustig in den Bauwagen.
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"Löwenzahn" hatte einen Vorgänger: Von 1978 bis 1980 moderierte Lustig die "Pusteblume", für die er sich weigerte, eine vom Produzenten gewünschte Perücke aufzusetzen. Weil sich das ZDF und die Produktionsfirma irgendwann zerstritten, wurde die Sendung quasi im Bild bleibend als "Löwenzahn" neu aufgesetzt. Der Vorspann zeigt noch heute, wie ein Zeichentrick-Löwenzahn aus dem Asphalt hervorwächst. Allein das war damals ein politisches Statement in einer friedensbewegten und ökologisch geprägten Zeit.
Die erste "Löwenzahn"-Folge "Peter zieht um" von 1981 griff ein aktuelles Thema in Deutschland auf: der Bau der Startbahn West am Frankfurter Flughafen. In der Sendung hält Peter Lustig den Fluglärm wegen einer neuen Startbahn nicht mehr aus und zieht um - in den Bauwagen auf einem Wiesengrundstück. Den Wagen baut er um, indem er ausschließlich vorhandenes Material nutzt. Dieser Nachhaltigkeitsgedanke wurde stets beibehalten.
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Immer auf der Suche nach Antworten
Peter Lustig (l.) klärt in "Löwenzahn" über die Kartoffel auf.
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Lustigs (l.) Nachforschungen waren von Neugier, aber auch von Witz geprägt.
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Im Alltag stieß Moderator Lustig immer wieder auf Probleme und offene Fragen. Also machte er sich auf die Suche nach Antworten und fragte bei Experten nach. Seine Nachforschungen waren geprägt von großer Neugierde und Aufgeschlossenheit. Dabei gab er sich immer selbstironisch. Seine Art kam bei jungen wie älteren Zuschauern an.
Aktuelle Themen der Zeit
Peter Lustig (l.) und Helmut Krauss (Nachbar Paschulke) in "Löwenzahn"
Peter Lustig (l.) und Helmut Kraus als "Löwenzahn"-Nachbar Paschulke.
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Als studierter Ingenieur baute Lustig in der Sendung auch mal ein Fahrrad um, um damit eigenen Strom zu erzeugen. 1983 präsentierte er einen - natürlich grünen - VW Golf I mit Batterieantrieb. "Und eines Tages, wenn wir weiter erfinden und nachdenken, dann kriegen wir vielleicht all diese Benzin-Stinker von der Straße", sagte er in der Folge "Nur ein Tropfen Öl". Eine für die 80er-Jahre durchaus weitsichtige Prognose, der ein VW-Versuchsprojekt zugrundelag. Und ein Thema, das rund 40 Jahre später immer noch aktuell ist. Die "Welt" nannte Peter Lustig mal "die Onkel gewordene Zeitlosigkeit".
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Sein Image als "alternativer Sandalenträger" habe er allerdings zu Unrecht, sagte Lustig einmal. Im "Spiegel" war zu lesen: "Ich fahre Auto, ich rauche - und ich hasse Müsli."
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Seit 1984 mit halber Lunge
In den 80er-Jahren gehörte Lustig der Bhagwan-Bewegung an. Er hatte große Freude an Musik. Der "Löwenzahn"-Moderator mochte ganz besonders Mozart und die Beatles. Von 1984 an musste er mit einer Lungenhälfte auskommen, die andere war ihm nach einer Krebserkrankung entfernt worden.
Kampagne der "Bild" gegen Lustig
Peter Lustig, Moderator der Sendung "Löwenzahn", mit Kindern (10.07.2002)
Dass Peter Lustig Kinder angeblich nicht mochte, ging auf eine "Bild"-Berichterstattung zurück.
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Lange hielt sich das Gerücht, dass Peter Lustig Kinder angeblich gar nicht mochte. Das ist jedoch grundverkehrt. Hintergrund war eine Schlagzeile der "Bild am Sonntag" ("Peter Lustig - ich kann Kinder nicht leiden") im Jahr 2002. Das Boulevard-Blatt hatte ein Interview der "Stuttgarter Zeitung" mit dem "Löwenzahn"-Moderator aufgegriffen und Sätze aus dem Zusammenhang gerissen.
Der damalige Interviewer der "Stuttgarter Zeitung", Kai Biermann, stellte klar, dass die Folgeberichterstattung "verdreht" und "verbogen" gewesen sei.
Er mutmaßte, dass die negative Berichterstattung über Lustig eine Reaktion der "Bild" gewesen sei, weil sich der TV-Moderator abfällig über das Boulevard-Blatt geäußert hatte.
Peter Lustig sagte dem Magazin "Neon" 2013:
"Wer die 'Bild'-Zeitung kritisiert, muss sich auf Rache gefasst machen." Dass er keine Kinder möge, sei "absurd".
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2005 in den Ruhestand gegangen
Die in "Löwenzahn"-Moderatoren Peter Lustig (r.) und Guido Hammesfahr (Fritz Fuchs) 2010.
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Guido Hammesfahr alias Fritz Fuchs (l.) löste Peter Lustig als "Löwenzahn"-Moderator ab.
2005 ging Lustig in den Ruhestand. Seine sprechende Ukulele mit den aufgesetzten Augen namens Klaus-Dieter begleitete ihn in der letzten Folge "Die Reise ins Abenteuer" mit den Worten "Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus...". Nachfolger für die Moderation von "Löwenzahn" wurde Guido Hammesfahr, der in der Sendung Fritz Fuchs heißt.
Peter Lustig erhielt zwei Grimme-Preise (1980 und 1982). 2007 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Er habe Kinder und Erwachsene immer wieder zu überraschenden Erkenntnissen geführt, würdigte ihn das ZDF.
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Als ein weiterer Nachfolger in Sachen Wissensvermittlung für Kinder gilt heute Tobias Krell. Als "Checker Tobi" ist er in vielen Fernsehreportagen zu sehen. Er tritt auch in Klassenzimmern und großen Hallen in Live-Shows auf. "Checker Tobi" hat es sogar ins Kino geschafft.
Ich fand Peter Lustig irre gut. Es gibt 'Löwenzahn'-Episoden, die kann ich immer noch nacherzählen, weil sie sich so eingebrannt haben. Gutes Kinderwissensfernsehen war wohl schon immer ein Thema in meinem Leben.
Tobias Krell alias "Checker Tobi"
2016 gestorben
TV-Moderator Peter Lustig und seine Ehefrau Astrid am 02.07.2012 beim ZDF-Sommertreff
TV-Moderator Peter Lustig und seine dritte Ehefrau Astrid 2012.
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Peter Lustig verbrachte die Jahre nach seinem "Löwenzahn"-Ausstieg in Ruhe und ohne Öffentlichkeit. Lustig, der dreimal verheiratet war, lebte insgesamt zehn Jahre in Bohmstedt bei Husum. Er starb am 23. Februar 2016 im Kreise seiner Familie. Dazu zählen seine dritte Frau Astrid und sein Sohn Pavi Momme, der aus der Ehe mit der Autorin von "Bibi Blocksberg" und "Benjamin Blümchen", Elfie Donnelly, stammt. Die "Löwenzahn"-Ikone Peter Lustig wurde 78 Jahre alt.
Die Bohmstedter trauerten um ihren Nachbarn und haben ihn in guter Erinnerung. Einer sagte dem NDR 2016: "Ich habe die Sendung schon gesehen, da wusste ich gar nicht, dass er hier wohnt." Ein anderer meinte: "Er war ein umgänglicher Mensch, man konnte gut mit ihm sprechen."
Ihr könnt jetzt ruhig abschalten. Tschüs!
So oder so ähnlich verabschiedete sich Peter Lustig immer am Ende der Sendung.
"Löwenzahn"-Onkel mit Witz: Vor zehn Jahren starb Peter Lustig
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- Registriert: Di 3. Okt 2023, 09:07
"Löwenzahn"-Onkel mit Witz: Vor zehn Jahren starb Peter Lustig
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
... AN DIE KÜSTE
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.

