Zwischen Weltpolitik und Klimawandel: Schöpfwerke an der Westküste
Ein NDR-Nachrichten-Beitrag, Stand: 15.02.2026 06:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/nachrichten/schleswi ... e-100.html
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Die Westküste kämpft dagegen an unterzugehen. Seit den 50er-Jahren gibt es deshalb Schöpfwerke, die das Wasser aus dem Binnenland in die Nordsee pumpen.
Experten sagen aber: Wenn es so weitergeht wie bisher, haben wir in 15 Jahren ein Problem.
von Theresa Ehrl
Schleswig Holstein geht Land unter. Vor allem die Westküste kämpft und das tut sie mit Schöpfwerken. Die haben allerdings mit immer neuen und immer größeren Herausforderungen zu tun. Und mittlerweile ist klar: Um denen zu trotzen, brauchen wir mehr davon und die, die wir haben, müssen aufgerüstet werden.
Schöpfwerke versus Binnenwasser: Das Problem der Westküste
Auf Eiderstedt im Kreis Nordfriesland sind viele Flächen wie diese überschwemmt
Stehendes Wasser auf Feldern kann zu Ernteausfällen führen.
Um die Nordsee abzuhalten, bauen die Schleswig-Holsteiner Deiche. Sie sind die Lösung gegen das Salzwasser und gleichzeitig das Problem, wenn es um Süßwasser geht. Wenn die Flüsse nämlich über die Ufer steigen und das Regenwasser landwirtschaftliche Flächen, Straßen und Infrastruktur überschwemmt, kann dieses überschüssige Wasser nicht mit den Flüssen ins Meer abfließen. Die Deiche blockieren das Wasser, sodass es sich im Landesinneren sammelt.
Schöpfwerke versus Schwerkraft: So funktionieren sie
Illustration: Vereinfachte Darstellung der Funktionsweise eines Schöpfwerkes.
So sieht eine vereinfachte Funktionsweise eines Schöpfwerkes aus.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Schöpfwerke stehen direkt vor dem Deich. Ein Netz aus Gräben und Vorflutern leitet dieses angestaute Binnenwasser dorthin. Mehrere große Pumpen befördern dieses Wasser auf die andere Seite des Deichs in die Nordsee, die Elbe oder einen anderen Fluss. Das ist vor allem dann nötig, wenn der Wasserstand außerhalb des Deiches höher ist als der innen.
Bei Ebbe können viele Schöpfwerke die Pumpen ruhen lassen. Dann kann das Wasser einfach durch einen Siel ablaufen. Die Schwerkraft reicht und so entwässert das Siel ganz energiearm das Binnenland. Doch mit steigendem Meeresspiegel und immer stärker werdenden Niederschlägen ist für Jörg Daniel vom Deich- und Hauptsielverband Dithmarschen klar, spätestens im Jahr 2050 wird das vielerorts nicht mehr funktionieren.
Die Situation hat sich komplett verändert: Die Physik hilft uns nicht mehr.
Jörg Daniel, technischer Leiter des Deich- und Hauptsielverbands Dithmarschen
Schöpfwerke versus Klimawandel: Investitionen im zweistelligen Millionenbereich
Viele Freilaufsiele müssen deshalb in Schöpfwerke verwandelt werden. Wie viele genau das betrifft, ist laut Daniel unklar. In Dithmarschen seien es auf jeden Fall drei oder vier Einzugsgebiete, in Nordfriesland eher vier oder fünf, sagt er. Laut ihm entwickelt es sich an der Elbe entlang gen Hamburg in eine ähnliche Richtung: "Hier brauchen wir nicht nur ein oder zwei neue Schöpfwerke, das wird schon zweistellig sein".
Wie viel so ein neues Schöpfwerk kostet, hängt von seiner Lage und der Größe des Einzugsgebiet ab, so Daniel. Die Kosten bewegen sich zwischen 11 Millionen Euro und 20 Millionen Euro. Etwa 70 Prozent davon wird vom Land übernommen, eventuell kommen auch von der EU Fördergelder.
Die Schöpfwerke Brunsbüttel Nord
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Das Schöpfwerk Brunsbüttel-Nord kann 6.000 Liter Wasser pro Sekunde schöpfen.
900 Liter Wasser pro Hektar regnet es im Jahr allein im Einzugsgebiet des Schöpfwerks Brunsbüttel-Nord. Davon verdunstet etwa die Hälfte oder wird von Vegetation aufgenommen, ein weiterer Teil kann durch Freilaufsiele einfach ablaufen. Es bleiben insgesamt noch über zwei Millionen Liter Wasser übrig. Dieses Wasser muss jedes Jahr um zwei Meter angehoben werden, um in die Elbe abzufließen. Und dafür braucht es Strom. Ungefähr 110.000 Euro kostet das schon jetzt jährlich.
Neue Schöpfwerke und die Einwohnenden zahlen
Etwa 400.000 Euro kostet der Betrieb des Schöpfwerks in Brunsbüttel allein jedes Jahr. Doch woher kommt das Geld? Laut Daniel kommt dafür das Vorteilsgebiet auf. Jede Grundstücksbesitzerin und jeder Grundstücksbesitzer im Einzugsgebiet muss Beiträge zahlen. Wie viel, das wird nach der Größe des Grundstücks bestimmt, das der- oder diejenige hat. Das Land zahle auf diesen Beitrag ungefähr 40 Prozent Zuschuss.
Schöpfwerke versus Weltpolitik: Brunsbüttel-Nord bereitet sich auf Extremfall vor
Ein Stromaggregat steht auf einer Straße
Mit drei Notstromaggregaten kann das Schöpfwerk Brunsbüttel-Nord vorübergehend in Betrieb bleiben.
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Mit dem Bevölkerungsschutz haben die Mitarbeitenden am Mittwoch den Ernstfall geübt. Das Szenario: Der Strom fällt aus. Zusammen mit dem Katastrophenschutz, dem THW und der Freiwillige Feuerwehr haben die Mitarbeitenden im Schöpfwerk Brunsbüttel-Nord geprobt.
Das Risiko ist in den letzten Jahren groß geworden, dass jemand von außen die Stromversorgung behindert. Wir müssen also einen Plan B haben.
Jörg Daniel, technischer Leiter des Deich- und Hauptsielverbands Dithmarschen
Die drei Notstromaggregate wurden zum Schöpfwerk transportiert, angeschlossen, angeschaltet und wieder abgebaut. Die Zusammenarbeit laut Daniel: Super. Auch der Test war ein Erfolg.
Zwischen Weltpolitik und Klimawandel: Schöpfwerke an der Westküste
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Zwischen Weltpolitik und Klimawandel: Schöpfwerke an der Westküste
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
... AN DIE KÜSTE
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.

