1962/63: Der Eiswinter auf den Ostfriesischen Inseln

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frische Luft
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1962/63: Der Eiswinter auf den Ostfriesischen Inseln

Beitrag von frische Luft »

1962/63: Der Eiswinter auf den Ostfriesischen Inseln
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 09.01.2026 11:15 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... er139.html

Bild und Text-Kopie.
IM o.g. Link (BILD) kann man sich ein VIDEO von 4 Min. ansehen !
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Heizöl und Lebensmittel per Hubschrauber:
Fünf Ostfriesische Inseln konnten während des Eiswinters 1962/63 monatelang ausschließlich aus der Luft versorgt werden.


Ab Mitte November 1962 hatte der sogenannte Eiswinter Europa fest im Griff.
Ab dem 20. Dezember 1962 setzte auch in Ostfriesland harter Frost ein.
Drei Monate lang gab es Temperaturen von bis zu minus 20 Grad.
Im Wattenmeer bildeten sich arktische Eislandschaften.
Der Eiswinter führte dazu, dass fünf der sieben Ostfriesischen Inseln monatelang ausschließlich per Hubschrauber versorgt werden konnten.

Zwei Männer schieben ein Auto an, das im Schnee stecken geblieben ist.ARD Mediathek
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Vier Hubschrauber im Dauereinsatz
Heino Comien* kann sich noch genau an diese Zeit erinnern:
"Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, Juist und Baltrum waren zum Ende des Jahres 1962 komplett von Eis eingeschlossen", erzählt der Baltrumer dem NDR 2013.
Ab den Weihnachtstagen kam kein Schiff mehr durch die zugefrorene Nordsee, die Vorräte wurden knapp.
Auf Baltrum wurde es den Insulanern auch in den Häusern zu kalt, "und somit musste dann durch die Bundeswehr-Hubschrauber in 200-Liter-Fässern jede Menge Heizöl eingeflogen werden", sagt Comien.
Vier Hubschrauber vom Heeresfliegerbataillon 100 waren im Einsatz, von Januar bis März 1963 versorgten sie die Insulaner mit dem Notwendigsten.

Luftbrücke kam zum Einsatz
Hubschrauber der Bundeswehr steht am 3. Januar 1963 in Norddeich, er fliegt im "Eiswinter" zu den Ostfriesischen Inseln.
Mehrere Hubschrauber versorgten die Insulaner im Eiswinter 1962/1963.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

"Jeder Insel standen in dieser Zeit zwei Flugtage pro Woche zu", erinnert sich der damalige Pilot Dieter Weßler im Jahr 2013. Damals sei der Flugplatz in Wittmund gerade erst gebaut gewesen - "nutzbar nach allen Richtungen, aber eröffnet war er noch nicht", so Weßler.
Das sei ganz gut gewesen, denn so sei außer den Hubschraubern der Luftwaffe niemand unterwegs gewesen.

Wichtigste Güter: Lebensmittel, Heizöl und die Post
"Kartoffeln, Margarine, Butter, Milch...", zählte die Juisterin Annemarie Rump 2024 im Gespräch mit dem NDR die wichtigsten Grundnahrungsmittel auf, die trotz Vorrats bald zur Neige gegangen waren.

Neben Lebensmitteln, Heizöl und Lebensmitteln war die Post wichtig für die Insulaner - wegen der Gästebuchungen für die Ferien:
"Damals kamen die Anfragen per Post vor allem bereits im Januar und Februar", erzählt der Baltrumer Comien 2013.
"Wenn die potenziellen Gäste wochenlang auf eine Antwort hätten warten müssen, wäre es problematisch geworden."

Bierfässer in Postsäcken
Ein Hubschrauber der Bundeswehr ist am 3. Januar 1963 in Norddeich im Einsatz, um im "Eiswinter" zu den Ostfriesischen Inseln zu fliegen
Neben den allernotwendigsten Gütern wurde auch Bier transportiert.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.

Grundsätzlich durften nur lebensnotwendige Güter transportiert werden.
Was das konkret bedeutete, dazu hatten etwa die Juister ihre eigene Meinung.
Denn:
Was in Postsäcke sonst noch so alles reingeht, stellten die Insulaner fest, als der Durst am größten war:
"Anfang Februar gab's kein Bier mehr auf Baltrum", erzählt Comien.
"Und dann hat man auf etwas seltsame Weise Bierfässer und Schnapskisten in Postsäcken in Neßmersiel in die Hubschrauber gepackt."

Auch Annemarie Rump und ihr Mann Martin, damals bei der Freiwilligen Feuerwehr, sagten dem NDR 2024 schmunzelnd: "Das Wichtigste war das Bier."
Die Kisten seien in Säcken verpackt neben und unter Kohlen transportiert worden.
"Das Bier wurde auch erst beim Bierhändler aus dem Sack genommen, damit das keiner gesehen hat", berichtete Martin Rump.

Soldaten drücken mehr als nur ein Auge zu
Neben Lebensmitteln, Heizöl und Lebensmitteln war die Post wichtig für die Insulaner - wegen der Gästebuchungen für die Ferien:
"Damals kamen die Anfragen per Post vor allem bereits im Januar und Februar", erzählt der Baltrumer Comien 2013.
"Wenn die potenziellen Gäste wochenlang auf eine Antwort hätten warten müssen, wäre es problematisch geworden."

Die Soldaten hätten die ganze Zeit über mehr als nur ein Auge zugedrückt, erinnert sich Pilot Rudolf Humme:
"Wir haben uns alle gut verstanden. Wir wussten auch nicht, wenn die eingeladen haben, was da drin war in ihren Kartons. Die hätten uns alles unterschieben können - inklusive Sprengstoff."
Insgesamt wurden rund 1.100 Tonnen Fracht im Eiswinter 1962/1963 auf die Inseln gebracht.

* Heino Comien hat 2013 mit dem NDR gesprochen, er starb 2015.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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