"Fiete Isbüdel": Friedrich von Esmarch erfand den Eisbeutel
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 09.01.2026 05:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/koepfe/fi ... h-100.html
Bild und Text-Kopie.
Der Mediziner Friedrich von Esmarch erfand das Dreiecktuch und den Eisbeutel.
Geboren wurde er am 9. Januar 1823 in Tönning an der Eider, wo er noch heute unter dem Spitznamen "Fiete Isbüdel" bekannt ist.
von Jochen Lambernd
Gerade in schwierigen Zeiten gab es immer wieder bahnbrechende Erfindungen für Menschen in Not.
Während der deutschen Revolution im 19. Jahrhundert sorgte etwa ein berühmter Schleswig-Holsteiner dafür, dass selbst schwere Verletzungen auf dem Schlachtfeld nicht mehr unbedingt den Tod bedeuteten.
Das war Johann Friedrich August von Esmarch, geboren am 9. Januar 1823 in Tönning.
Nach ihm sind Apotheken, Arbeiter-Samariter-Heime und Straßen benannt. Und das aus gutem Grund.
Friedrich von Esmarch hat die Medizin von der Kieler Universität aus revolutioniert.
Er war schon zu Lebzeiten einer der bekanntesten deutschen Ärzte und einer der bedeutendsten Unfallchirurgen seiner Zeit.
Erfahrungen als Feldarzt: Amputationen waren alltäglich
Chirurg Friedrich von Esmarch (Holzstich nach Fotografie, um 1905, neu koloriert)
Von Esmarch konstruierte eine spezielle Binde, um den Blutverlust zu minimieren.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Diese Zeit war kriegerisch. Der junge Medizinstudent von Esmarch - bereits seit Vater war Arzt - sammelte bereits 1848 erste Erfahrungen als Feldarzt.
Wenn ein Soldat auf dem Schlachtfeld verletzt wurde, war es schwierig, ihn zu bergen, ohne die Verletzungen weiter zu verschlimmern.
Jens Ahlers, ehemaliger Leiter der Landesbibliothek in Kiel, sagte dem NDR 2017:
"Er hat also von morgens bis abends nur Amputationen gemacht. Und natürlich hat man dann irgendwann mal so Ideen im Kopf:
"Das muss ich so gestalten, dass die Leute nicht zur Hälfte sterben, sondern dass ein größerer Teil überlebt.'"
Von Esmarch bemerkte schnell, wo die Fehler lagen:
Viele Patienten verbluteten. Der Mediziner band die Gliedmaßen ab und stellte so eine künstliche Blutleere her.
Von Esmarch konstruierte dazu eine extra Staubinde mit einem speziellen Verschluss, um an Armen und Beinen mit möglichst wenig Blutverlust operieren zu können. Mit Erfolg.
Er habe das Lazarettwesen "ganz energisch" vorangetrieben, "um bessere Bedingungen für die Versorgung der verwundeten Soldaten zu schaffen", so Ahlers.
Erste-Hilfe-Anleitung und Dreiecktuch
Eine Mitarbeiterin zeigt in der Ausstellung zum 100. Todestag von Friedrich von Esmarch in der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek Kiel das von ihm erfundene Original-Dreiecktuch aus dem Jahre 1873 zur Ersten Hilfe am 31.01.2008.
Das Dreiecktuch ist noch heute Bestandteil der Ersten Hilfe.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Die Esmarchsche Blutleere war von Esmarchs erste Erfindung, sie wird noch heute in der Medizin angewendet.
Um Helfer auf dem Schlachtfeld gut auszubilden, schrieb der Chirurgie-Professor als erster Verfasser überhaupt eine Erste-Hilfe-Anleitung ("Die erste Hülfte bei plötzlichen Unglücksfällen") - darin enthalten ist das sogenannte Dreiecktuch als medizinisches Hilfsmaterial.
Historiker Ahlers sagt über das Tuch:
"Es war vielseitig anwendbar. Und der Mensch lernt am ehesten durchs Bild. Also hat er so auf diesem Dreiecktuch alle Möglichkeiten aufgemalt, wie man dieses Tuch sinnvoll verwenden kann."
Spezieller Handgriff bei Bewusstlosen
Auf von Esmarch geht auch ein spezieller Handgriff zurück, der vor allem in der Anästhesie und der Notfallmedizin angewendet wird. Dieser dient dazu, dass die Atemwege eines Bewusstlosen freigemacht und freigehalten werden.
Er soll verhindern, dass die erschlaffte Zunge nicht zurückfällt.
Mehr als 40 Jahre Direktor der Uni-Chirurgie in Kiel
Der Arzt entwickelte und verbesserte weitere Operations- und Behandlungsmethoden.
Seine zahlreichen Erfindungen haben die Medizin revolutioniert.
Von Esmarch war ein Mediziner, der die Probleme seiner Zeit erkannte und sie löste, damit es den Menschen besser geht.
Von Esmarch war als Arzt in der Chirurgischen Universitätsklinik in Kiel tätig.
Mit nur 31 Jahren wurde er 1854 Direktor des Klinikums. Diesen Posten hatte er bis 1898 inne.
Alte Universität am Schloßgarten in Kiel, um 1920
Uni Kiel wird nach dem Krieg wiedereröffnet
Am 17. November 1945 nahm die Uni den Lehrbetrieb wieder auf, zunächst noch sehr provisorisch auf Schiffen.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Begründer des Samariterwesens
Von Esmarch, der auf den Schlachtfeldern erkannt hatte, dass bei den vielen Verwundeten nicht genügend ausgebildete Kräfte zur Verfügung standen, eröffnete am 4. Februar 1882 eine Samariterschule in Kiel. Dort wurden Laienhelfer ausgebildet. Am 5. März 1882 gründete er in der Förderstadt den ersten deutschen Samariterverein. Ziel war es, dass möglichst jeder Bürger zu einem kompetenten Ersthelfer ausgebildet werden konnte.
Ehrenbürger von Kiel
1897 wurde von Esmarch der Titel Wirklicher Geheimer Rat mit dem Prädikat Exzellenz verliehen.
Anlässlich seines 80. Geburtstags im Jahr 1903 verlieh ihm die Stadt Kiel das Ehrenbürgerrecht.
Die Begründung dafür lautete:
"Es unterliegt keinem Zweifel, dass der berühmte Arzt und Gelehrte durch seinen Namen auch der Stadt Kiel als der Heimatstadt seiner Wahl Ruhm und Ehre bereitet und dass er sich demnach um unsere Stadt besonders verdient gemacht hat."
Denkmal im Schlossgarten von Tönning
Statue des Chirurgen Friedrich von Esmarch in Tönning (SH) (2025)
Das Denkmal im Schlossgarten erinnert an den großen Sohn Tönnings.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Noch zu Lebzeiten bekam von Esmarch ein eigenes Denkmal.
1905 ehrte ihn seine Geburtsstadt Tönning mit einem Standbild an exponierter Stelle im Schlossgarten.
Die Statue war von Adolf Brütt angefertigt worden, einem der damals bekanntesten deutschen Bildhauer.
Am 23. Februar 1908 starb "Fiete Isbüdel" in Kiel.
Der bedeutende Mediziner wurde 85 Jahre alt. Am Tage seiner Beisetzung flaggten alle öffentlichen Gebäude in der Förderstadt Halbmast.
Von Esmarch wurde auf dem Friedhof Eichhof am Hauptweg beigesetzt.
Sein Geburtshaus steht noch
Das Geburtshaus des Chirurgen Friedrich von Esmarch in Tönning (SH) (2025)
In diesem Haus in Tönning wurde Friedrich von Esmarch 1823 geboren.
Das Geburtshaus von Esmarchs in Tönning steht noch heute.
Es befindet sich in der Straße Neustadt 39, ganz in der Nähe des Hafens.
Bild ist im o.g. Link zu sehen.
Es ist immer noch von Interesse - auch so viele Jahre nach dem Tod des Mediziners.
So rühmen etwa Anbieter von angrenzenden Ferienwohnungen die Nähe zu diesem historischen Gebäude.
An der Fassade informiert eine Tafel über das Leben des großen Sohns der Stadt.
In diesem Hause wurde der ruhmgekrönte Gelehrte und Chirurge Se. Exzellenz Wirklicher Geheimer Rath Dr. Johannes Friedrich August von Esmarch, Professor etc. am 9. Januar 1823 geboren.
"Fiete Isbüdel": Friedrich von Esmarch erfand den Eisbeutel
- frische Luft
- Beiträge: 1666
- Registriert: Di 3. Okt 2023, 09:07
"Fiete Isbüdel": Friedrich von Esmarch erfand den Eisbeutel
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
... AN DIE KÜSTE
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise
Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.

