Schleswig-Holstein früher und heute

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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Mr. Gordon und die Geschichte einer Postkarte
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 06.07.2019 06:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... rn392.html

BILD und TEXT-KOPIE:

Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von exakt derselben Position: Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute". So wollen wir den Wandel der Städte im nördlichsten Bundesland dokumentieren. Ein interaktiver Foto-Vergleich macht das besonders deutlich.

von Robert Tschuschke

Alan Gordon steht in Elmshorn vor Stelen. © NDR Foto: Robert Tschuschke

Bild befindet sich im o.g. Link !

Seine Mutter hat Alan Gordon Fotokisten hinterlassen. Das war der Anfang seiner Suche nach der Familiengeschichte über tausende Kilometer hinweg.

Alan Gordon aus Amherst in New Hampshire in den Vereinigten Staaten ist auf der Suche nach der Vergangenheit seiner Familie.
Mehrere Tausend Kilometer von seinem Zuhause entfernt sitzt der pensionierte Pädagoge im kleinen, weiß gekachelten Elmshorner Stadtarchiv, direkt gegenüber vom Rathaus.
"Meine Urgroßmutter Charlotte Franck wurde in den 1870ern in Elmshorn geboren.
Und das hat mich hierher gebracht", erzählt der 70-Jährige mit grauem Schnauzbart und lächelt dabei.

Seine verstorbene Mutter hatte sechs große Fotokisten hinterlassen - ohne Namen oder andere Bezeichnungen.
"Aber es gibt eine Postkarte von der Schwester meiner Urgroßmutter mit einem Bild", sagt Gordon.
"Darauf ist eine Straßenszene aus dem Zentrum Elmshorns zu sehen, mit vielen Bäumen und einem X an einem weißen Haus. Das X sagte: Hier wurden wir geboren."

marktstrasse106_v-contentgross.jpg
marktstrasse106_v-contentgross.jpg (110.07 KiB) 178 mal betrachtet
Mit der Postkarte vom Elmshorner Markt fing für Alan Gordon aus den USA die Suche nach seiner Familiengeschichte an.
In dem weißen Haus mit dem "X" (altes Bild) lebten bis mindestens 1885 seine Vorfahren.
(Mit dem Schieberegler auf diesem und den weiteren Bildern können Sie das Elmshorn von früher und heute vergleichen. Verschieben Sie den Regler einfach mit der Maus oder dem Finger auf Smartphone und Tablet.)


Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Ehrenamtlicher Historiker öffnet Akten für Gordon
Mehr als 1.300 Familienmitglieder hat Alan Gordon über verschiedene Datenbanken bereits recherchieren können.
Während seiner Ahnensuche traf er vor zwei Jahren auf den ehrenamtlichen Historiker Harald Kirschninck, der in Elmshorn seit Jahrzehnten die Geschichte des Alten Jüdischen Friedhofes und der dort begrabenen Familien aufarbeitet.

Jetzt forschen sie zusammen, beugen sich über mehrere Akten aus dem Elmshorner Geburts- und Sterberegister, vervollständigen Stammbäume und gucken sich altes Fotomaterial um 1900 auf dem Archiv-Computer an.
Bei einem Bild vom Alten Markt bleibt Harald Kirschninck hängen:
"Da sieht man den Blick in die Marktstraße mit einem Goldschmied und einem Papierhändler.
Das ist das alte Elmshorn. Da gehen wir jetzt hin."


Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Bis in die 1930er-Jahre hinein lebten und arbeiteten im Elmshorner Flamweg viele Juden.
Heute erinnern Stolpersteine an in der NS-Zeit deportierte und ermordete jüdische Familien.


Ein weißes Einfamilienhaus: Die Aufregung steigt
Die Glocken der Nikolaikirche am Alten Markt läuten.

Ein Schwarz-Weiß-Foto auf einem Infoschild vor der Kirche zeigt eine Szene des Platzes mit Planwagen und Männern mit Schiebermützen zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Alan Gordon schaut aufgeregt an vielen Bäumen und einer großen Eisdiele vorbei.

Ein altes Bild von Charlotte Franck aus dem Jahr 1901 © Privatarchiv Alan Gordon

Bild befindet sich im o.g. Link !

Gordons Urgroßmutter Charlotte Franck wurde in den 1870ern in Elmshorn geboren.
Plötzlich bemerkt er in der Fußgängerzone neben einer mehrstöckigen Einkaufspassage ein kleines weißes Einfamilienhaus mit Spitzdach. Im Erdgeschoss ist ein Smartphone-Shop. Schnell geht Alan Gordon darauf zu.

"Das ist der Geburtsort meiner Urgroßmutter und ihrer fünf Geschwister in der Mitte des 19. Jahrhunderts", ruft Gordon. "Und guck mal hier gegenüber ist immer noch ein Uhren- und Schmuckladen.
Das Geschäft geht weiter. Stell Dir das mal vor!"

Urgroßmutter musste Novemberpogrome nicht erleben
Alan Gordon ist überwältigt.
Er entschließt sich aber der Höflichkeit wegen, nicht bei den Bewohnern des Hauses im ersten Stock zu klingeln. Stattdessen geht es ein paar Meter weiter durch die Fußgängerzone, hin zum Flamweg.
Hier war das alte jüdische Viertel Elmshorns.

Ein altes Bild der Synagoge in Elmshorn. © NDR Foto: Kirschninck

Bild befindet sich im o.g. Link !

Die Synagoge in Elmshorn wurde während der Novemberpogrome von den Nazis angezündet.
Alan Gordon und seine Frau Pamela bleiben an sogenannten Stolpersteinen stehen und lesen die Namen deportierter und umgebrachter Juden.
Während der NS-Zeit lebte Gordons Urgroßmutter Charlotte Franck längst in New York und musste nicht miterleben, wie am 9. November 1938 die Elmshorner Synagoge von den Nazis angezündet wurde und viele Juden verhaftet wurden.

Rostige Stelen aus Stahl erinnern an die Synagoge
Zwischen einem kleinen Sportplatz und einem Spielplatz im Flamweg stehen sieben rostige, schiefe Stelen aus Stahl, die an die Synagoge erinnern.
"Meine Urgroßmutter Charlotte ist bestimmt häufiger hergekommen und hat einen Teil ihres Lebens an diesem Ort verbracht.
Es ist so wichtig, das hier zu kennen.
Es geht um Menschlichkeit" , sagt Alan Gordon, während er mit den Fingern über die Inschriften auf den rostbraunen Stelen fährt.
"Ohne Erinnerung sind wir nur wir selbst."

Charlotte Franck ist für Alan Gordon nicht nur eine Urgroßmutter auf Fotos und aus Erzählungen.
Als er sechs Jahre alt war, besuchte er sie in New York.
Der 70-Jährige lacht:
"Ein einziges Mal habe ich sie gesehen.
Es war meine allererste Flugreise.
Sie war eine alte, aber lebhafte Frau."

Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Viele Familien wie zum Beispiel die Oppenheims hatten in Elmshorn Fabriken und Geschäfte.
Sie waren sehr angesehene Leute.
Im Dritten Reich wurden die Fabriken "arisiert", ein anderes Wort für staatlich legitimierten Raub.
Das alte Foto wurde zwischen den Weltkriegen aufgenommen.


Jahrzehnte später, nach Charlottes Tod, flog Gordon erneut nach New York zum Grab seiner Urgroßmutter.
"Ich habe dort mit ihr an ihrem Grab gesprochen.
Wo ein Grabstein ist, kann auch Kommunikation sein.
Der Stein bringt dich zurück in alte Zeiten.
Das habe ich während meiner Recherche gelernt."


Alter jüdischer Friedhof überstand die Nazi-Zeit
Zum Abschluss seines Besuchs in Elmshorn geht Gordon auf den Alten Jüdischen Friedhof in der Feldstraße.
Wie durch ein Wunder hat der Friedhof mit der kleinen Halle und den rund 160 Steinen die Nazi-Zeit überstanden.
Jahrzehntelang war dies der einzige Ort, der die Erinnerung an Juden in Elmshorn am Leben hielt.
In den vergangenen Jahren ließen die heutige, neue jüdische Gemeinde und viele Wohltäter die Grabsteine restaurieren.

"Ein merkwürdiges Gefühl", sagt Gordon auf dem Friedhof stehend.
"Da sind vielleicht 10 bis 20 Menschen hier, mit denen ich eine direkte Verbindung habe.
Ich kam mit Namen und Jahreszahlen und gehe mit einem viel größeren Bild.
Was auf der Straße war, welche Geschäfte es gab. Das ist meine Vergangenheit.
Das ist aufregend und berührt mich sehr."

Die sechs großen Fotokisten mit der alten Postkarte, die Alan Gordon von seiner Mutter geerbt hat, will der 70-Jährige später seinen Kindern vermachen - dann besser sortiert und mit vielen neuen Fotos und Anekdoten aus dem heutigen Elmshorn.

Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Der Alte Jüdische Friedhof aus dem 17. Jahrhundert, auf dem alten Foto nach 1906 aufgenommen, hält die Erinnerung an die Elmshorner Juden wach und bildet eine Art zeitlichen Brückenschlag zur heutigen jüdischen Gemeinde.

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Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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frische Luft
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Re: Schleswig-Holstein früher und heute

Beitrag von frische Luft »

Fehmarn: Karl-Wilhelm Klahn, der Geschichten-Erzähler
Ein NDR-Beitrag-Geschichte, Stand: 03.08.2019 06:00 Uhr
Quelle: https://www.ndr.de/geschichte/schauplae ... rn468.html

Bilder von früher im Vergleich mit Fotos von heute - möglichst aufgenommen von derselben Position:
Das ist das zentrale Element der Serie "Schleswig-Holstein früher und heute".
So wollen wir den Wandel der Städte im nördlichsten Bundesland dokumentieren.
Ein interaktiver Foto-Vergleich macht das besonders deutlich.


von Hauke Bülow

Schon als Kind mit acht Jahren ist Karl-Wilhelm Klahn mit seiner Fotokamera über die Ostseeinsel Fehmarn gezogen - immer auf der Suche nach spannenden Motiven.
Heute, mit fast 90 Jahren, ist das private Fotoarchiv des gebürtigen Fehmaraners prall gefüllt.
Jedes seiner Bilder erzählt eine Geschichte.
Einige davon hat Karl-Wilhelm Klahn uns verraten.


Die Warteschlange 1963 vor der Autofähre nach Rødby. Heute ist es bebauter.
Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !


Die Geschichte Fehmarns aufbewahrt in Pappboxen

In kleinen Pappboxen, fein säuberlich beschriftet, liegen sie - die Erinnerungen an ein spannendes Leben auf Fehmarn.
Karl-Wilhelm Klahn kommt kaum dazu, Luft zu holen, als er ein Foto nach dem nächsten aus den Schachteln holt.

Er hat so viel zu berichten.
Mit Zahlen und Daten kann er nur so um sich werfen.
Kein Wunder:
Jahrzehnte lang arbeitete der 89-Jährige als ehrenamtlicher Stadtarchivar im kleinen Türmchen des Burger Rathauses, wo das Stadtarchiv seinen Sitz hat.
Schon als 17-Jähriger half er seinem Lehrer Georg Laage im Archiv.
"Von ihm habe ich auch immer gute Zeugnisse bekommen", lacht Karl-Wilhelm Klahn.


Der Marktplatz in Burg Anfang des 20. Jahrhunderts - heute herrscht hier geschäftiges Treiben.
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Ausbildung während des Zweiten Weltkriegs
Sein berufliches Leben hat Karl-Wilhelm Klahn auf dem Bahnhof verbracht, als Fahrdienstleiter bei der Eisenbahn.
An die Jahre 1944 und 1945 erinnert er sich noch gut.
Der Fehmaraner war noch Lehrling, als jeden Tag Züge voller Kriegs-Verwundeter im Bahnhof Burg eintrafen.
"Im März 1945 waren die Lazarette alle voll und unsere Schulen in Burg wurden zu Militärkrankenhäusern umfunktioniert.
Die Verwundeten kamen in einfachen Güterwagen an und wurden dann zum Teil mit Pferd und Wagen ins Krankenhaus und die Schulen gebracht."
Eine turbulente Zeit, erinnert sich Karl-Wilhelm Klahn.

Fast unverändert steht das 1901 neu gebaute Burger Rathaus heute noch am Markt.
Bild "FRÜHER und HEUTE" befindet sich im o.g. Link !

Die Kamera immer dabei
Mit den Jahren wuchs bei Karl-Wilhelm Klahn nicht nur das Interesse an der Geschichte der Insel Fehmarn, sondern auch an der Fotografie.
Wenn auf der Insel etwas los war, dann war er immer mit dabei - die Kamera im Anschlag.
Und so finden sich im privaten Archiv unter anderem Fotos von der Eröffnung des Fährhafens Puttgarden im Mai 1963.
Karl-Wilhelm Klahn war vor Ort, als der damalige Bundespräsident Heinrich Lübke mit seiner Entourage durch die Terminalbrücke schritt.

Der Bahnhofsvorplatz von Puttgarden am Tag der Vogelfluglinien-Eröffnung am 14. Mai 1963 - und heute.
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Geschichten über Geschichten
"Das sind Aufnahmen, die kaum einer hat", freut sich der vierfache Vater über seine Fotos.
Recht dürfte er haben. Auch den Bau der Fehmarnsundbrücke Anfang der 1960er-Jahre verfolgte der Hobbyfotograf.
"Hier wird das letzte Stück geschlossen, was meinen Sie, was das für ein Fest hier auf Fehmarn war", erzählt er.
Bei einem anderen Foto fängt Karl-Wilhelm Klahn an zu grinsen.
"Mit diesem Schiff hier sind die Brückenarbeiter zu den Betonpfeilern gefahren worden - die brachten auch immer allerhand Alkohol mit“.


Der Brückenbau kommt gut voran. Nach nur drei Jahren Bauzeit wird die Fehmarnsundbrücke 1963 eröffnet. 56 Jahre später haben sich vor allem die Autos, die über die Brücke fahren, verändert.
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"Ich lebe nur in Erinnerungen"
Das private Archiv von Karl-Wilhelm Klahn, es platzt aus allen Nähten.
Sein Arbeitszimmer ist bis unter die Decke voll mit alten Aufnahmen. "Ich muss 200 Jahre alt werden, wenn ich die noch alle bearbeiten will", lacht der 89-Jährige.
Auch im Keller seines Hauses hat er noch viele Schätze verstaut.
Karl-Wilhelm Klahns Frau Traude lässt ihm sein Hobby und hat ihn immer unterstützt.
"Mein Mann hat sich immer für die Geschichte Fehmarns eingesetzt, er ist Fehmaraner durch und durch, er liebt die Insel sehr", erzählt Traude Klahn.
Aber auch sie ist offensichtlich nie zu kurz gekommen - seit 64 Jahren sind die beiden inzwischen glücklich verheiratet.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
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