Hoyerswort

Begriffe und Ihre Erklärung
Antworten
Benutzeravatar
frische Luft
Beiträge: 813
Registriert: Di 3. Okt 2023, 09:07

Hoyerswort

Beitrag von frische Luft »

Hoyerswort
Quelle: https://www.nordfriiskfutuur.eu/nordfri ... oyerswort/
csm_HoyerswortHerrenhaus_47658cbbf7.jpg
csm_HoyerswortHerrenhaus_47658cbbf7.jpg (95.42 KiB) 187 mal betrachtet
Bild und Text-KOPIE:

Etwa anderthalb Kilometer südlich von Oldenswort in Eiderstedt liegt an der Landstraße das Herrenhaus Hoyerswort.
Neben dem Haus mit seinem achteckigen Turm steht ein Haubarg, der als Stall diente.
Der Besitz wird von einem doppelten Grabensystem eingefasst, die ehemals vorhandene Zugbrücke wurde durch eine einfache Brücke ersetzt.
Das Gut war dem Diplomaten Caspar Hoyer (1540–1594) im Jahr 1564 vom Gottorfer Herzog Adolf (1544–86) geschenkt und 1587 mit allen Rechten eines Adelssitzes ausgestattet worden.
Doch erst als Hoyer 1578 Staller wurde, dürften sich seine finanziellen Verhältnisse so gebessert haben, dass an einen Ausbau des Gutes gedacht werden konnte.
Für das Herrenhaus im Renaissancestil ist ein Baubeginn kurz vor 1580 wahrscheinlich, aber auch schon zehn bis fünfzehn Jahre früher möglich.
Ein weiterer Anstoß für einen großzügigeren Bau könnte 1587 hinzugekommen sein, als Hoyerswort die vollen Rechte eines Adelssitzes erhielt.
Wie die Bauforschung des Landesamtes für Denkmalpflege Schleswig-Holstein Ende der 1980er-Jahre feststellte, soll in dieser Zeit das schlossähnliche Haupthaus vollendet worden sein.
Die oft zitierte Bauzeit 1591–94 ist mit hoher Wahrscheinlichkeit mit einem Erweiterungsbau in Verbindung zu bringen.

Als Hoyer 1594 starb, übernahm sein Sohn Hermann (1571–1622) das Stalleramt.
* 1599 heiratete er Anna Ovena Hoyers (1584–1655). *
Das Paar wohnte zunächst auf Hoyerswort und zog 1603 in das Schloss nach Tönning, wo Hermann 1622 starb. Waren die finanziellen Verhältnisse mit dem Tode Hermanns schon sehr angegriffen, verschlechterten sie sich durch die Freigebigkeit Anna Ovenas so sehr, dass sie Hoyerswort an Augusta (1580–1639), die Witwe des Herzogs Johann Adolf (1575–1616), verkaufen musste.
Hoyerswort erlebte nun verschiedene Herren.
1647 z. B. überließ Herzog Friedrich III. (1597–1659) den Besitz seinem Kammermeister Joachim Danckwerth (1606–1656).
Ihm folgten, zeitweise in kurzen Abständen, mehrere Besitzer.
1771 gelangte das Gut an Boy Hamkens, dessen Nachfahren es bis heute bewohnen und bewirtschaften.


Habich u. a. 1998, Hirschfeld 1987.

**************************************************************************
* TEXT-Quelle: https://www.nordfriiskfutuur.eu/nordfri ... nna-ovena/

Hoyers, Anna Ovena (eigentlich Anke Hanß) * 1584 Koldenbüttel, † 27.11.1655 bei Stockholm, Dichterin, religiöse „Schwärmerin“.
Die Tochter des reichen und gebildeten Koldenbütteler Hofbesitzers Hans Ovens heiratete 1599 den Eiderstedter Staller Hermann Hoyer (1571–1622), Sohn von Caspar Hoyer (1540–1594).
Sie lebten auf Hoyerswort, seit 1603 im Tönninger Schloss.
Die Ehe wurde offenbar schon früh von Anna Ovenas sektiererischen Neigungen belastet, die ihr Mann als Staller zu bekämpfen hatte.
Der Amtskirche warf sie vor, sich weit von den eigentlichen christlichen Anliegen entfernt zu haben. „Sie predigen nicht vom hertzen, und gehet alsi ihr predigen nicht zu hertzen.
Der Geist Gottes ist nicht dabei.
Sie leben sehr übel, da könne der Geist Gottes nicht bei sein.
Zwene collegen dienen an einer kirchen, predigen Gottes wordt und leben doch eitel hass, neidt und feindschafft. Sollte da der Geist Gottes sein?“
Nach dem Tod ihres Mannes nahm sie den religiösen Abweichler Nicolaus Knutzen genannt Teting zunächst auf Hoyerswort und dann in ihrem Haus in Husum auf.
Sie stand damit mitten im Kampf der lutherischen Kirche gegen die Rosenkreuzer.
Sie fand Beistand bei der Herzoginwitwe Augusta.
Ihre große Freigebigkeit führte sie jedoch in wirtschaftliche Not, sodass sie Hoyerswort an ihre Fürsprecherin verkaufen musste.
Vermutlich seit 1632 lebte sie „Arm und Elend / als vergessen“ vor allem in Västervik und auf dem Gutshof Sittvik bei Stockholm in Schweden.
Anna Ovena Hoyers trat als eine der ersten Frauen überhaupt als Dichterin hervor.
Sie verfasste zahlreiche Verse, die zum großen Teil Ausdruck ihrer außerkirchlichen, persönlich geprägten Frömmigkeit waren, sowie das satirische Theaterstück „De Denische Dörp-Pape“ (1630).
In einem Gedicht wertete sie die Sturmflut von 1634 als göttliches Strafgericht.

Becker-Cantarino 1986, Frank 1995, Boy Hinrichs 1985 u. 1991a, Panten/Riecken 1991, SHBL 3.

Auszüge aus dem zweiten Sturmflutlied aus dem Stockholmer Manuskript:

12. Strophe
In Todtes angst vnd Nöten
schreite mein Seel zu Dir,
Herr wiltu mich nun töten?
ist nicht mehr gnad bey Dir?
Die Flut hat mich vmgeben,
Herr seeh mich gnedig ann,
ein Gott erett mein Leben,
helff, weil sonst niemand Kann.

15. Strophe
Reich und arm seind vmbkommen,
Viel 1000, in der Nacht,
Durch die Fluth hingenommen,
Und schnel zu Nicht gemacht,
Pferd, Küh, schaff, Schwein vnd rinder,
auch leüth im Krancken bett,
Ja halb geborene Kinder,
ich aber bin erett.

Hinrichs 1985.
Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele:
Freuden, Schönheit und Natur, Gesundheit, Reisen und Kultur.
Darum, Mensch, sei zeitig weise !
Höchste Zeit ist’s!
Reise, reise :D ... AN DIE KÜSTE

Wilhelm Busch, *15.04.1832, gest. 09.01.1908.
Antworten